„Letzte-Chance-Tourismus“ im Aufwind
Die Tourismusmanager haben diese Marktlücke längst entdeckt, weswegen sie auch keine mehr ist. Noch vor wenigen Jahren kursierten sogenannte „Bucket-Lists“, auf denen Ziele angeboten wurden, die auf die Abenteuerlust einer Klientel setzten, die es höchst erregend fand, noch einmal im Schatten eines Gletschers zu wandern, den es bald nicht mehr geben wird. Aus diesen Geheimtipps ist ein neuer Reisetrend entstanden. Bereits im Jahr 2007 stellte der US-Reisemarkt-Ratgeber TravelAge West fest, dass eine zunehmende Zahl an Touristen ihre Ziele nach den zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels auswählen, „bevor es zu spät ist“ …
Inzwischen ist der „Letzte-Chance-Tourismus“ vom Nischenprodukt zum absoluten Bestseller mutiert. Mehr als 14 Millionen Menschen reisen pro Jahr zu den zehn größten Gletschern der Welt, Tendenz stark steigend. Auch die Zahl der Antarktisbesucher hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, schon bald treten sich dort Pinguine und Touristen gegenseitig auf die Füße.
Das Fatale daran ist, dass der Klimawandel im Tourismus einen neuen Gefährten gefunden hat. Der Geograf Emanuel Salim schrieb dazu im Fachjournal „Nature Climate Change“ folgendes: „Solche Reisen werden den Verfall der Naturwunder weiter vorantreiben. Gletscher-Landschaften könnten zu Tode geliebt werden von Touristen, die dann einfach zur nächsten Destination weiterziehen.“
Wie treffend und weitsichtig sich doch die Studie des norwegischen Zukunftsforschers Jørgen Randers liest, die er bereits 2012 erstellt hatte. Der Mann ist emeritierter Professor für Klimastrategie der Norwegian Business School. Seine Arbeit trägt den Titel: „2052. Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre“. Die Studie war in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt geblieben. In ihr stellt der Autor unter anderem folgende drei provokante Fragen an uns:
- Haben Sie bereits in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität investiert?
- Haben Sie die Sehenswürdigkeiten dieser Welt besucht, bevor diese von den Menschenmassen ruiniert wurden?
- Haben Sie darauf geachtet, ihre Kinder daran zu hindern, die Einsamkeit der unberührten Natur zu lieben?
Auf Seite 383 des Berichts heißt es: „Wenn Sie Ihrem Kind beibringen, die Einsamkeit der unberührten Wildnis zu lieben, so wird es etwas lieben, das es immer seltener geben wird. Sie erhöhen dadurch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird, weil es das, was es sich wünscht, nicht mehr finden wird. Die neue Generation lernt besser von Anfang an, im pulsierenden Leben der Megastädte zu Frieden, Ruhe und Zufriedenheit zu finden und bei endloser Musikuntermalung in den Ohren.“
PS: Am 29. Mai 1953 gelang dem Engländer Edmund Hillary zusammen mit dem Nepalesen Tenzing Norgay die Erstbesteigung des Mount Everest, was weltweit als Sensation gefeiert wurde. Inzwischen hat der Berg mehr als 11.000 Aufstiege erlebt und leidet unter einem echten Müllproblem.







