Grönland ist das neue Alaska
Die Äußerungen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump sorgen weltweit für Empörung. Dabei bezieht sich seine Ankündigung, die Insel Grönland, die sich zwar selbst verwaltet aber politisch zu Dänemark gehört, kaufen zu wollen, auf eine Idee, die in den Staaten bereits 2019 formuliert wurde. Die Motive sind klar: es geht um sicherheitspolitische Fragen im arktischen Raum (Frühwarnsysteme, Militärbasen) und natürlich um wirtschaftliche Interessen. Grönland verfügt über große Vorkommen an seltenen Erden, Öl, Gas und anderen Vorkommen. Die USA versichern, dass es sich um einen Kauf handeln würde und nicht um eine geplante Invasion.
In unserer Maeva-Trilogie (2013 „Das Südsee-Virus“) haben wir eine derartige „Übernahme“ schon einmal durchgespielt. Wir haben uns vorzustellen versucht, wie die USA wohl reagieren würden, wenn das rohstoffreiche Bundesstaat Alaska sich von den Vereinigten Staaten losgesagt und zur Freien Republik erklärt hätte. Hier das Szenario, wie es in Sachen Grönland ebenfalls denkbar wäre:
Wenn es nicht so lächerlich ausgesehen hätte, wer weiß, vielleicht wären die Passanten in Downtown Juneau besorgt gewesen wegen der drei Jeeps der US-Army, die an diesem verregneten Dienstagmorgen vor dem Säulenportal des State Capitol hielten. Vielleicht wäre ihnen klar geworden, dass die seit langem befürchtete Annexion der Freien Republiken Alaskas durch die Vereinigten Staaten gerade im vollen Gange war. So aber wurden Viersternegeneral Walter Cohen und sein militärischer Anhang beim Betreten des Regierungssitzes von den Umstehenden bestaunt wie Staatsgäste. Der Kabinettsaal, in dem der Rat der Republiken nach Auskunft des CIA jeden Dienstagmorgen tagte, befand sich im zweiten Stock. General Cohen trat an der Spitze seines Gefolges ohne anzuklopfen ein. Die 12 versammelten Ratsmitglieder – sieben Frauen, fünf Männer – waren sichtlich geschockt. Fassungslos sahen sie zu, wie es sich der General an der Stirnseite des Kabinettstisches bequem machte.
„Bleiben Sie entspannt“, begrüßte Cohen die Anwesenden, „ich komme im Auftrage des Präsidenten der Vereinigten Staaten, von dem ich Sie herzlich grüßen soll.“ Er öffnete seine Aktentasche und entnahm ihr eine schwarze Ledermappe, die er nun behutsam aufschlug. „Machen wir es kurz“, fuhr er fort, „ich habe bei mir einen von Präsident Hurst unterschriebenen Vertrag, der das Verhältnis zwischen den USA und den Freien Republiken Alaskas neu regelt. Ihre Unabhängigkeit ist davon nicht betroffen. Unter der Voraussetzung, dass Sie bereit sind, folgende Punkte zu unterschreiben.“ Er tippte mit den Fingerspitzen provozierend lange auf das Papier, als wollte er dessen Bedeutung allen am Tisch ins Bewusstsein klopfen.
„Erstens“, begann er im Stil einer Urteilsverlesung, „die Vereinigten Staaten von Amerika behalten sich das Recht vor, ihre Militärstützpunkte in dem ehemaligen Bundesstaat Alaska jederzeit wieder zu besetzen.
Zweitens: Die amerikanische Wirtschaft wird wieder in die Lage versetzt, in den Freien Republiken Alaskas nach Rohstoffen zu forschen und sie gegebenenfalls abzubauen.
Drittens: Global Oil darf die unterbrochenen Bauarbeiten an den Off-Shore-Anlagen fortführen. Darüber hinaus wird der Firma erlaubt, vor der Küste des ehemaligen Bundesstaates Alaska so viele Anlagen zu errichten, wie sie es für nötig hält.
Viertens: Die Alaska-Pipeline wird umgehend wieder in Betrieb genommen.
Fünftens: Das Tankstellennetz in Ihrem Land fällt wieder in den Besitz von Global Oil.
Sechstens: Die Vereinigten Staaten betrachten die von amerikanischen Firmen bewirtschafteten Flächen als Territorium der USA, auf dem die Gesetze der Freien Republik Alaska keine Gültigkeit haben.“
General Cohen blickte die Ratsmitglieder der Reihe nach an. Die Indios starrten regungslos zurück. – „Was geschieht, wenn wir den Vertrag nicht unterzeichnen?“, fragte die Frau vom anderen Ende des Tisches. – „Für diesen Fall, ’Mam, werden die Vereinigten Staaten mit Nachdruck auf den alten Verhältnissen bestehen. Im Klartext: Es werden Panzer rollen. Und zwar binnen einer Woche. Die Freien Republiken Alaskas wären somit Geschichte.“ Cohen schob die Ledermappe dem Ratsmitglied zu, das ihm am nächsten saß. „Ich schlage vor, Sie alle lesen sich die paar Seiten in aller Ruhe durch, bevor Sie unterschreiben.“ Als die Hälfte der Indios seiner Aufforderung gefolgt war, stand General Cohen auf, ging nach nebenan ans Telefon und wählte die Nummer seines Präsidenten im Weißen Haus. „Mr. President“, sagte er und nahm unwillkürlich Haltung an, „Alsaka is coming home!“







