Kulturelle Vielfalt beginnt bei Namen
Vorbemerkung: Dieser Artikel ist für Mr. Trump nicht geeignet. Die Folgen wären kaum absehbar. Genaueres siehe weiter unten.
Wie heißt der höchste Berg der Erde?
– Sagarmatha
– Chomolangma
oder
– Mount Everest
Wir in der westlichen Welt tendieren wahrscheinlich mehrheitlich zu Mount Everest. Dieser Name wurde ohne Berücksichtigung der örtlichen Bevölkerung von der britischen Kolonialmacht nach dem Landvermesser George Everest gewählt. Da der Berg auf der nepalesisch tibetischen Grenze liegt, hat er zwei lokale Namen: Sagarmatha (Stirn des Himmels) auf Nepali und Chomolangma (Mutter des Universums) auf Tibetisch.
Nach dem weitgehenden Ende der Kolonialzeit wurden viele aufgezwungene und ungeliebte Ländernamen geändert. So wurde aus Goldküste Ghana, aus Südrhodesien Zimbabwe, aus Nordrhodesien Sambia, aus Obervolta Burkina Faso, aus Dahomey Benin, aus Ceylon Sri Lanka, aus Burma Myanmar usw.
Auch einzelne Orte erhielten wieder die bei der Urbevölkerung üblichen Namen. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Uluru in Australien, der selbst in Reiseprospekten kaum noch als Ayers Rock zu finden ist. Der höchste Berg Nordamerikas heißt seit 2015 auch offiziell wieder Denali (der Große) im gleichnamigen Nationalpark, der bereits 1980 wieder den alten Namen erhielt.
Donald Trump hat am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 per Dekret angeordnet, den Berg wieder in Mount McKinley (wie von 1917 bis 2015) umzubenennen, um den früheren US-Präsidenten William McKinley zu ehren, was zu Kontroversen und Widerstand von Seiten der Politiker Alaskas führte.
Noch einmal zur Vorbemerkung: Nach allen dubiosen Dekreten des letzten Jahres ist es doch überraschend, dass er „den Großen“ nicht nach sich selbst benennen will.
Warum ist es so wichtig, die historischen bzw. lokalen Namen zu erhalten?
Die Anerkennung und das Bewahren von Namen ist eine Form der Wertschätzung und des Respekts gegenüber der Geschichte und den Menschen und ihrer Sprache. Sie beweisen Identität und spiegeln kulturelle Wurzeln und Vielfalt wider. Außerdem vermitteln sie ein gerade heute wichtiges Zugehörigkeitsgefühl in der Welt der Mächtigen.
Autor: Rudolf Prott







