Klimawandel? Wo? Wie? Was?
„Angesichts des drohenden Untergangs ihrer Heimat durch den ansteigenden Meeresspiegel sind die ersten Einwohner des pazifischen Inselstaats Tuvalu in Australien eingetroffen. Tuvalu hat ca. 9.500 Einwohner auf der 26 km² großen Insel. Ihre Einreise erfolgt im Rahmen eines vor zwei Jahren geschlossenen Abkommens zwischen den beiden Ländern, das den Bewohnern des niedrig gelegenen Atolls eine neue Heimat bieten soll.“
So berichtete der SPIEGEL im Dezember 2025. Im Jahre 2011 erschien MAEVA (Das Südsee-Virus), der zweite Band der Maeva-Trilogie. In ihm wird unsere Protagonistin in Sydney zur Vorsitzenden der URP (United Region of the Planet) gewählt. In ihrer Antrittsrede sagt sie folgendes zu den geladenen Gästen aus aller Welt:
„Ich bin froh, dass Sie gekommen sind, ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen. Mit Ihnen und allen anderen Menschen… Bevor ich Ihnen jedoch erzähle, wie ich mir eine solche Zusammenarbeit vorstelle, möchte ich mich bei den zwölf Regionen Australiens bedanken. Ohne ihre Bereitschaft, den Hilflosen und Verfolgten dieser Welt eine neue Heimat zu geben, hätte ich für dieses Amt nicht kandidiert. Es muss uns eine Herzensangelegenheit sein, der großen Schar von Umwelt- und Armutsflüchtlingen zu helfen, die ohne eigenes Verschulden ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden. Denn es sind in erster Linie unsere Herzen, die in Ordnung gebracht werden müssen. Die Gestaltung einer besseren Welt hängt nicht zuerst davon ab, wie viel umweltschonende Technik wir einsetzen und wie nachhaltig wir wirtschaften – eine bessere Welt ist nur möglich, wenn wir zu einer grundsätzlich anderen Lebens- und Weltanschauung finden.“
Später im Buch, auf den Seiten 173 bis 183, reist Maeva an die australische Westküste, um sich dort von dem deutschen Architekten Lars Liebchen die im Bau befindliche „Seesternstadt“ erklären zu lassen, in der das Gros der Flüchtlinge Unterschlupf finden soll. Die Stadt, die sich entlang der gesamten Küste erstrecken soll, besteht aus sich selbst ernährenden Häusern, die Strom und Wasser über Windlaser generieren. Der vom Meer wehende Wind wird am Boden zwischen seesternartigen Tentakeln eingefangen, um die wuchtigen Generatoren zu betreiben, mit denen die Häuser sich letztlich selbst versorgen.
Es gibt im Buch noch ein anderes Kapitel, in dem Maeva sich im Norden der Malediven an jene Stelle bringen lässt, wo einst die zum Haa-Alif-Atoll gehörende Insel Utheemu aus dem Meer ragte:
„Maeva stand am Bug der Fähre und schaute auf die grauen Palmenstämme, die wie versteinerte Meerespflanzen aus dem Ozean ragten. Zur Linken sah sie die Dächer des Holzpalastes in der Sonne schimmern, den Sultan Thakurufaanu bewohnt hatte und der von den Einwohnern erst vor zehn Jahren aufwendig restauriert worden war. Cording bewunderte die Haltung, mit der sich Maeva der Erinnerung an eine Tragödie stellte, die im letzten Jahr die ganze Welt erschüttert hatte. Sie reagierte nicht auf die Zurufe der Reporter. Die zahlreichen Richtmikrofone, mit denen man auf sie zielte, fingen nichts anderes ein, als das respektlose, verbale Gezerre der Journalisten. Es hörte erst auf, als Maeva das zu Wasser gelassene Beiboot bestieg, in dem sie nun bis vor die 450 Jahre alte, vom Wasser umspülte Moschee ruderte. In diese Moschee hatten sich die 127 Menschen, die sich auf Utheemu über Wochen hinweg hartnäckig jeder Evakuierung widersetzt hatten, in ihren letzten Tagen zurückgezogen. Ihr freiwilliges aber qualvolles Sterben war nicht unbeobachtet geblieben. Immer wieder war es Fernsehteams gelungen, sich mit Schlauchbooten Zugang ins Innere des Gotteshauses zu verschaffen. Auf diese Weise wurde die Weltöffentlichkeit Zeuge, wie 51 Einheimische und 76 mit ihnen sympathisierende Idealisten aus aller Herren Länder langsam und bewusst das Zeitliche segneten – als Opfer des Weltklimas, aber auch in dessen Interesse. Die tödliche Inszenierung von Utheemu war tatsächlich so etwas wie eine Initialzündung gewesen. Milliarden Menschen waren durch die tragischen und heldenhaften Ereignisse auf Utheemu nachhaltig aufgeschreckt worden.“
Zurück in die Realität. Das australische Visum für die Menschen aus Tuvalu biete »Mobilität in Würde«, indem es denen die Möglichkeit gebe, in Australien zu leben, zu studieren und zu arbeiten, während die Auswirkungen des Klimas schlimmer werden, erklärte die australische Außenministerin Penny Wong.







